Jan 03

Die Nachfrage nach qualifizierten Seepersonal aus Deutschland steigt. Trotz sinkender Frachtraten bei namhaften Containerlinien werden zunehmend Stimmen laut, die mehr Aktivitäten zur Anwerbung von qualifiziertem Nachwuchs fordern. “Unsere guten Seeleute drohen zu überaltern”, so Lars Förster, Crewing-Manager bei DirectCrewing.com. “Wir beobachten diese Tendenz schon länger, das Durchschnittsalter der Führungsriege auf den Schiffen wächst ständig!”

Seiner Meinung nach, liegt diese Entwicklung an dem Fehlen von qualifiziertem Nachwuchs. Die Reedereien wären nicht bereit auf die jahrelange und erprobte Erfahrung älterer Semester zu verzichten und dafür jüngeres aber weniger erfahrenes Personal einzusetzen. Eine Haltung, die man durchaus nachvollziehen kann, gilt es doch Millionenwerte sicher über die Weltmeere zu befördern und die Sicherheit der gesamten Mannschaft an Bord zu gewährleisten!

Video: Imagefilm Hapag-Lloyd Container Linie

Doch woran liegt der Fachkräftemangel? Ergreifen zu wenig junge Menschen einen Seeberuf oder liegt es an mangelnden Weiterbildungsmöglichkeiten? Fakt ist, der Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs ist so groß, daß nicht alle deutschflaggigen Schiffe mit entsprechendem Personal besetzt werden können! „Wir bedauern das, sind aber froh, dass die Seeschifffahrt jungen Menschen so gute Berufsperspektiven bieten kann“, erklärte Dr. Hans Heinrich Nöll, Hauptgeschäftsführer in einer Pressemitteilung des Verbandes Deutscher Reeder. Danach liegt der Fachkräftemangel auch an fehlenden Hochschulplätzen oder anderen Weiterbildungsmöglichkeiten. Dem begegneten die deutschen Reeder innerhalb von drei Jahren mit der Aufstockung der Ausbildungsplätze von 400 auf derzeit ca. 900 und auch beim Ausbau von Studienplätzen geht es mittlerweile voran, so heißt es in einer Presseerklärung des VDR (Verband deutscher Reeder) vom14. März 2007:

Der VDR hat sich auf der von Bundeskanzlerin Merkel geleiteten 5. Nationalen Maritimen Konferenz in Hamburg am 4. Dezember 2006 bereit erklärt, die Küstenländer bei der Einrichtung zusätzlicher Studienplätze für Nautiker finanziell zu unterstützen.

Am 9. März 2007 haben sich der VDR und die norddeutschen Länder über die Verteilung der Mittel verständigt. Der VDR wird die Länder Bremen, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein mit jeweils 250.000 Euro pro Jahr zum Ausbau von Fachschul- und Studienplätzen für Nautiker unterstützen und dafür einen erheblichen Teil seiner Mitgliedsbeiträge aufwenden. Die Zusage gilt zunächst für die Jahre 2007, 2008 und 2009.

Die norddeutschen Länder haben ihrerseits zugesagt, ihre Kapazitäten in der Nautik auf der Basis des Studien-/Schuljahres 2005/2006 wie folgt zu steigern:

Freie Hansestadt Bremen um 80 Plätze
Mecklenburg-Vorpommern um ca. 40 Plätze
Niedersachsen um ca. 100 Plätze
Schleswig-Holstein um ca. 40 Plätze

Die Kapazität an den Seefahrtsschulen kann durch den Einsatz der Mittel der norddeutschen Länder und des Verbandes Deutscher Reeder um ca. 50% erweitert werden. Die Länder müssen dafür Personal-, Betriebs- und Sachmittel von mehreren Millionen Euro einsetzen. Die Unterstützung des VDR ist ein wichtiger Beitrag, um den gestiegenen Bedarf rasch und wirkungsvoll zu decken.

Zusätzlich müsste der Beruf an Bord wieder interessanter gestaltet werden und auch Seeleuten mit Familie eine Perspektive im Vergleich mit einem Job an Land bieten. Erste Schritte hierfür sind beispielsweise die sog. 1:1 Fahrzeiten oder die Möglichkeit Familienmitglieder zeitweise an Bord mitreisen zu lassen. Beides wird auch bereits von einigen Reedern umgesetzt.

Weiterführende Links:
VDR – Verband deutscher Reeder: www.reederverband.de
Direct Crewing – Crewing-Agentur für Seeleute: www.directcrewing.com

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